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Aktuelles aus Fachbereich und ÖH

„Die Mittelschicht zeigt Bauch“

(28.11.2016) Darjeeling mag Teetrinkern ein Begriff sein, Kalkutta erlangte nicht zuletzt durch Mutter Teresa Bekanntheit. Beides liegt im ostindischen Bundesstaat Westbengalen, den o.Univ.Prof. Dr. Rudolf Scheidl für eine Gastvorlesung am Indian Institute of Technology Kharagpur besuchte. Seine Eindrücke von Universität, Land und Leuten schildert er im folgenden Interview.

„Herr Prof. Scheidl, Sie waren Mitte November für eineinhalb Wochen in Westbengalen und haben am Indian Institute of Technology Kharagpur eine Gastvorlesung gehalten. Wie ist es zu dieser Einladung gekommen?“

Prof. Scheidl: „Eingeladen wurde ich von Prof. Rathindranath Maiti vom Mechanical Engineering Department. Wir kennen uns von einigen 2016-11-28 Indien Scheidl 5.jpgHydraulik-Konferenzen und er hat mich 2014 für einige Tage in Linz besucht. Ich hielt eine Vorlesung zum Thema ‚Digital Fluid Power‘ und im Rahmen der IEEE Guest Lecture Series einen Vortrag zum Thema ‚Sensors and Actuators for Smart Systems‘. Dieser Vortrag wurde als Massive Open Online Course angeboten, was bei uns noch eher unüblich ist. Er ist online verfügbar.“

„Wie war Ihr Eindruck vom IIT Kharagpur?“

Scheidl: „Das IIT Kharagpur ist das älteste und größte IIT und hat derzeit etwa 10.000 Studierende. Es wurde 1953 gegründet und auf einem 80 Hektar großen Gelände gebaut, wo unter britischer Kolonialherrschaft ein Camp für politisch unliebsame Inder und im Zweiten Weltkrieg eine Luftwaffenbasis der US Air Force stationiert war. Es gibt am Campus eine eigene Polizei, die den Zutritt regelt. Zahlreiche Gebäude und auch der Zutritt zu gewissen Bereichen wie dem akademischen Teil mit den Departments sind bewacht. Ganz allgemein war für mich in öffentlichen Bereichen wie den Flughäfen eine gewisse Angst vor Terrorismus spürbar. Die Studierenden müssen auf dem Campus wohnen, die Unterkünfte sind aber sehr einfach gehalten und ich würde meinen, dass dort ein europäischer Student eher nicht würde unterkommen wollen. Dafür gibt es am IIT Kharagpur auch viele Sporteinrichtungen für Fußball, Cricket, Schwimmen.“

„Wie ist die Qualität des IIT Kharagpur einzuschätzen?“
Scheidl: „Die IITs sehen sich als Eliteinstitute Indiens. Es gibt eine sehr strenge Auswahl bei den Studierenden, nur etwa zehn Prozent werden aufgenommen. Ausbildung, Forschungsausrichtung und Organisation sind an englischer Tradition ausgerichtet. Die Bezeichnung ‚Institute of Technology‘ wird aber recht inflationär verwendet, etwa auch für Colleges mit Undergraduate-Ausbildung. In den letzten zehn Jahren wurden über 60 solcher Institute in Indien gegründet. Die Studenten, die an meiner Vorlesung teilnahmen – durchweg junge Männer, obwohl am Campus auch viele Studentinnen unterwegs waren – machten einen durchaus frischen und begabten Eindruck auf mich, sie sind auch sehr an Technologie interessiert, insbesondere an spektakulären Neuigkeiten, wie mobile Roboter oder Exoskeletons. Ich kann aber schwer beurteilen, wie gut ihre Ausbildung im Vergleich zu mitteleuropäischen Ingenieuren ist, weil ich selbst keine Prüfungen abgenommen habe.“

„Wie ist denn das IIT Kharagpur technisch ausgestattet?“

Scheidl: „Der Standard der Labors ist sehr unterschiedlich. Die meisten sind schon sehr veraltet, manche einigermaßen in Schuss. Die Labors dienen hauptsächlich der Ausbildung – inklusive PhDs.“

„Gibt es Kooperationen mit Unternehmen?“
Scheidl: „Die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft ist verglichen mit deutschen oder österreichischen TUs oder dem Fachbereich Mechatronik viel geringer.“

„Sie waren ja bereits Ende der achtziger Jahre zweimal in Westbengalen. Wie, würden Sie sagen, hat sich das Leben dort inzwischen verändert?“

Scheidl: „Das Leben ist am Land und in den kleineren Orten immer noch sehr bescheiden, mit einfachen Häusern oder eher Hütten. 2016-11-28 Indien Scheidl 3.jpgOrdnung und Sauberkeit sind aus Sicht eines Europäers sehr mangelhaft. Im Vergleich zu damals sind mir aber viele PKW und Motorräder (meist Scooter) moderner und zeitgenössischer Produktion aufgefallen.

In Kalkutta gibt es natürlich heute schon viele moderne große Bauten – Hotels und Firmenzentralen etwa. Dazwischen eingezwängt aber immer noch Hütten als Verkaufsbuden, Reparaturwerkstätten, Wohnraum, wenn auch weniger als vor 30 Jahren.

Mein Gesamteindruck ist, dass sich in den letzten Jahrzehnten eine durchaus selbstbewusste Mittelschicht gebildet hat. Autos – auch aus eigener Produktion – und Mobiltelefone gibt es zuhauf. In den Großstädten sind Hochhäuser gewachsen. Daneben gibt es aber nach wie vor das Leben der Armen mit einfachen Häusern oder Hütten, in äußerst bescheidener Kleidung. Ein statistisch gesehen signifikantes Wohlstandszeichen ist offenbar auch die Statur: Arbeiter und Bauern sind meist spindeldürr und sehnig, die Mittelschicht zeigt Bauch.“

Foto oben: Prof. Scheidl mit Debanshu Roy, dem PhD-Studenten, der ihn in Indien betreut hat.

Foto unten: Markt im IIT ganz in der Nähe vom „Technology Guesthouse“, wo Prof. Scheidl untergebracht war. Prof. Scheidl: „Die vielen Personen stellen sich vor der Bank an; die indische Regierung hat die 1.000 und 500 Rupienscheine für ungültig erklärt und zahlt derzeit nur 2.000- Rupien (ca. 30 €) pro Tag an Privatpersonen aus. Das reicht fürs Leben, nicht aber für sonstige Geschäfte. – Ein Riesenthema in Indien, das schwächt die Wirtschaft enorm, weil viele Dinge nicht mehr stattfinden können, z.B. auch Transport, weil die Fahrer nicht genug Geld für Zölle, Treibstoff bezahlen können und ihre LKWs dann oft einfach stehen lassen.“

Best Paper Award für DI Christoph Gradl

(9.11.2016) DI Christoph Gradl vom Institut für höhere Maschinenlehre und hydraulische Antriebstechnik wurde beim „9th FPNI 2016-11-09 Gradl.jpgPhD Symposium on Fluid Power“ in Florianopolis, Brasilien, mit dem Best Paper Award und der Wolfgang Baké Medaille ausgezeichnet.

Titel des prämierten Papers ist „A combined hydrostatic hydrodynamic bearing based on elastic deformation“. Institutsleiter Univ.-Prof. Dr. Rudolf Scheidl war Mitautor.

Prof. Irschik - Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften

(7.11.2016) O.Univ.Prof. Dr. Hans Irschik, Vorstand des Instituts für Technische Mechanik, wurde von der Vollversammlung der Irschik Hans, Technische Mechanik 2.jpgRussischen Akademie der Wissenschaften (Russian Academy of Sciences, RAS) zum „Foreign Member of the Russian Academy of Sciences" gewählt.

Die Russische Akademie der Wissenschaften wurde 1724 durch eine Weisung von Zar Peter dem Großen gegründet. Derzeitiger Präsident ist Prof. Vladimir Fortov.

Als auswärtige Mitglieder werden laut Statuten nur höchst renommierte ausländische Wissenschafterinnen und Wissenschafter ausgewählt, welche Anerkennung in der weltweiten wissenschaftlichen Community erlangt haben.

Die letzte Wahl von neuen Akademiemitgliedern der RAS fand 2011 statt. Bei der nunmehrigen Wahl 2016 wurde Prof. Irschik einstimmig gewählt und der Sektion Energiewirtschaft, Maschinenbau, Mechanik und Regelungstechnik der RAS zugeordnet, als eines von nur drei neuen auswärtigen Mitgliedern dieser großen Sektio2016-11-07 RAS.pngn.

Prof. Irschik sieht die Wahl als hohe Auszeichnung auch für die Linzer Mechatronik an: „Ich werde mich sehr bemühen, in dieser Funktion das Ansehen der JKU Linz und unserer Mechatronik weiter zu stärken, und, so wie bisher, zu fruchtbaren wissenschaftlichen Kontakten zwischen unserer Universität, Österreich und der russischen Wissenschaft beizutragen.“

Prof. Irschik arbeitet derzeit als österreichischer Leiter des vom österreichischen Grundlagenforschungsfonds FWF geförderten internationalen Projekts "FWF I 2093: Eulerian mechanics of belts", gemeinsam gefördert auch durch die Russian Foundation for Basic Research (grant No. 14-51-15001). Russischer Projektleiter ist Prof. Alexander Belyaev, Direktor des Instituts für Probleme im Maschinenbau der RAS in St. Petersburg und Ehrendoktor der JKU Linz. Im Zuge dieses Projekts forscht u.a. Evgenii Oborin, MAS als Doktoratsstudent in Linz. Er wurde kürzlich für seine noch in St. Petersburg verfasste Masterarbeit mit einem Preis der RAS in Moskau ausgezeichnet.

MECHATRONIK Info-Tag: Vom Fliegen und von Flugzeugen

(4.11.2016) Am 15. Dezember wird der dritte MECHATRONIK Info-Tag der JKU für SchülerInnen der 7. und 8. Klassen Gymnasium und der 4. Und 5. Klassen HTL stattfinden. Thematisch steht heuer „Vom Fliegen und von Flugzeugen“ im Mittelpunkt. Mit kurzweiligen Vorträgen und mit Laborbesuchen bekommen die SchülerInnen und ihre LehrerInnen einen guten Einblick, was Mechatronik heute leistet.

Zwei Professoren aus der Mechatronik, Prof. Philipp Gittler, ein ausgewiesener Aerodynamiker und selbst begeisterter Flieger, und Prof. Martin Schagerl, nach vielen Jahren als Entwicklungsingenieur bei Airbus jetzt an der JKU für konstruktiven Leichtbau zuständig, bieten Einblicke in fundamentale Zusammenhänge und neueste Entwicklungen, zum Beispiel zu den Themen „Wunderding Flügel – Aerodynamik für Anfänger“,  „Coffin Corner – kritische Zustände bei großen Flughöhen“, „Flugzeug Leichtbau – Altes und Neues“, und „Mechatronik im Leichtbau – Schäden spüren und bewerten“.

Auch in den Laborführungen wird Bezug zum Fliegen und zu Flugzeugen genommen. Wie bei fast jedem modernen technischen Produkt spielen viele mechatronische Bereiche eine wichtige Rolle: Roboter zum Zusammenbau moderner Flugzeuge mit einer engen Mensch-Maschine Interaktion, Hydraulik zum Steuern zentraler Flugzeugfunktionen, computergestützte Produktentwicklung zur Beherrschung vieler komplexer technischer Zusammenhänge, Schwingungstechnik um Lärm innerhalb und außerhalb des Flugzeuges möglichst gering zu halten.

Der MECHATRONIK Info-Tag am Donnerstag, 15. Dezember 2016, dauert von 9 bis 15 Uhr und für jede BesucherInnengruppe jeweils etwa 2 Stunden. Auch für eine kleine Stärkung wird gesorgt.  Der Einstieg ist zu jeder vollen Stunde möglich.

Anmeldungen bis zum 30. Oktober 2016 bei

Linda Burgstaller
Tel: 0732 2468 6490
E-Mail: linda.burgstaller@jku.at

Erfolgslauf in der Lehre fortgesetzt

(20.10.2016) Schon vor einem halben Jahr konnten die Mechatronik-Professoren Hans Irschik und Bernhard Jakoby beim „vote your 2016-10-20 Vote your Prof. Jakoby, Irschik.jpgprof“-Bewerb hinter dem Mathematiker Prof. Neubauer die Plätze zwei und drei der beliebtesten LehrveranstaltungsleiterInnen an der TNF belegen. In der nunmehrigen Herbstausgabe des Bewerbs sieht es sehr ähnlich aus. Nur dass Irschik und Jakoby die Plätze getauscht haben. Bei „vote your prof“ wurden 550 Studierende persönlich befragt, 220 Stimmen entfielen auf die TNF.

Der Bewerb wurde von der AG initiiert und vor wenigen Wochen durchgeführt. Alle Studierenden waren stimmberechtigt, 250 gaben ihre Stimme für SOWI-ProfessorInnen, 180 für Jus-ProfessorInnen und 220 für TN-ProfessorInnen ab.

„Auf dem Stimmzettel konnten die Studierenden die ihrer Meinung nach besten drei Lehrveranstaltungsleiter ihrer Fakultät reihen und Punkte vergeben“, sagt Initiator Gernot Hauzenberger.

Die drei Erstgereihten jeder Fakultät erhielten einen goldenen, silbernen und bronzenen Mitch, das Entenmaskottchen der AG. – Einen Wanderpokal, der sich auch künftig hoffentlich nicht zu weit aus dem Fachbereich Mechatronik hinausbewegen wird. Wobei ergänzt sei, dass Jakoby sich bereits sehr knapp – bis auf 2 Punkte – an Neubauer „herangelehrt“ hat.