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Aktuelles aus Fachbereich und ÖH

imPACts mit hohem Impact

(10.2.2017) Dem K-Projekt imPACts, das Forschung für die chemische und biochemische Prozessindustrie betreibt und2017-02-10 imPACTs Labor 1.png von der RECENDT GmbH geleitet wird und an dem unter anderem das Institut für Mikroelekronik und Mikrosensorik beteiligt ist, wurde nun bei einer Zwischenevaluierung sozusagen höchster Impact bescheinigt: Die Projektergebnisse wurden vom Fördergeber FFG und von internationalen FachgutachterInnen genauestens unter die Lupe genommen und exzellent bewertet.

Von den GutachterInnen wurden eine Reihe bereits erzielter „exzellenter Ergebnisse“ gelobt, die wissenschaftliche Qualität und die Reputation der mehr als 100 beteiligten ForscherInnen aus neun Forschungseinrichtungen und elf Unternehmen herausgestrichen, und auch die Relevanz der durchgeführten Arbeiten für die Industrie bestätigt. Besonders beeindruckt zeigte sich das GutachterInnenteam auch vom Commitment und der Begeisterung der Partner – insbesondere der beteiligten Unternehmen.

Besonders spannende Ergebnisse sind sowohl in unterschiedlichen Verbesserungen der diversen prozessanalytischen Messmethoden gelungen, als auch in der Entwicklung neuer Zugänge und Methoden für die durchgängige Abbildung von chemischen Prozessen in Computer-Modellen. Somit können neuartige Prozessmodelle mit besseren Echtzeit-Messdaten „gefüttert“ und daraus gänzlich neue Information über Prozesszustände generiert werden, die bislang einfach nicht zugänglich waren.

Mittels neuer und verlässlicher Mess- und Auswertungsmethoden können chemische Produktionsanlagen optimiert betrieben werden – das heißt ökonomisch und ökologisch sparsamer arbeiten.

Aus Patenten und einer cloudbasierten Lösung für die Prozessindustrie 4.0 sollen mittelfristig neue Geschäftsfelder entstehen. Aus den Umsetzungen der neu entwickelten Lösungen in den Prozessen der beteiligten Industriepartner ziehen diese zum Teil schon jetzt laufend Vorteile in der täglichen Arbeit.

ImPACts wird noch zwei Jahre fortgeführt, dann steht die Endevaluierung an.

Zoff mit dem Stoff

(19.10.2016) Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, was Ihre Jeans alles aushalten müssen? Die werden den 2016-10-19 Stoff Messung 2.jpgganzen Tag gedehnt, gebogen, abgerieben und werfen trotzdem Falten genau dort, wo sie sein sollen. - Für Modedesigner keine leichte Aufgabe, das optimale Ergebnis zu erreichen. Und da kommt neuerdings das Institut für Messtechnik ins Spiel.

Denn Univ.-Prof. Dr. Christiane Luible-Bär von der Abteilung für Fashion & Technology an der Kunstuniversität Linz hat hier angedockt, um ein Messsystem entwickeln zu lassen, das auf Stoffe optimiert ist. Die Skepsis bei Institutsvorstand Univ.-Prof. Dr. Bernhard Zagar war anfangs groß. Denn Stoff ist durch seine Machart inhomogen und ein äußerst schwieriges Material mit komplexem Verhalten. Trotzdem ist es inzwischen gelungen, ein Messsystem zu entwickeln, mit dem einzelne Stoffparameter genau vermessen werden können: derzeit bereits das Biegeverhalten, das vor allem für den Faltenwurf eines Stoffes verantwortlich ist (dazu wurde soeben eine Masterarbeit abgeschlossen), künftig sollen auch das Dehnungsverhalten, Elastizität, Reibung und Gewicht gemessen werden können.

„Hier geht es aber nicht um die Qualität des Stoffes“, sagt Luible-Bär, „denn dafür gibt es bereits Messsysteme, sondern darum, dass man 2016-10-19 Stoff Messung 1.jpgdie gemessenen Parameter in richtiger Bandbreite für ein Simulationssystem verwenden kann.“ Denn Modedesign passiert heute am Computer, der Stoff wird nicht mehr real zusammengenäht sondern das Design am Computer simuliert. Und dies funktioniert umso besser, je detailliertere Daten man über den Stoff in den Computer hineinfüttern kann.

Heute arbeiten vor allem Firmen für Sportbekleidung mit der 3D Simulation, um teure Prototypen von Bekleidung schneller und günstiger herzustellen. Nur wenn der virtuelle Prototyp genau simuliert ist, mit den richtig gemessenen Stoffparametern, kann dieser den realen Prototypen ersetzen.

In einer zweiten Masterarbeit wird derzeit an der Messmaschine in ihrem gesamten Aufbau gearbeitet.

Von den Stoffen reicht ein etwa 20 mal 20 Zentimeter großes Stück aus, um - entsprechend in der Maschine vorgespannt - daran die Messungen vorzunehmen.

Im Vorfeld wurden bei Athleten Bewegungsdaten während des Sports aufgenommen und auf einen virtuellen Avatar umgelegt. „Wir wissen genau, wie viel, wie oft und wie schnell der Stoff bewegt wird“, sagt Luible-Bär. Dadurch kann auch die Eignung eines Stoffes für ein bestimmtes Kleidungsstück getestet werden.

Die gemessenen Stoffparameter dienen schließlich auch dazu, neueste Kompressionssportbekleidung genau zu testen, also Bekleidung, welche mit einem bestimmten Druck am Körper anliegt, um die Leistung und Regeneration eines Sportlers zu steigern. Diese neue Art von Sportbekleidung könnte ohne genaue Simulation überhaupt nicht getestet werden.

„Wir hatten für Prof. Zagar noch eine ganz besondere Aufgabenstellung“, sagt Luible-Bär. „Grundbedingung ist nämlich, dass die Maschine, die hier entwickelt wird, dann auch wirklich von Modeleuten bedient werden kann. Und diese Menschen sind bisher nicht als besonders Technik-affin bekannt.“ Zusätzlich dürfe die Maschine, wenn sie denn in Massenproduktion gehen sollte, nicht viel kosten, da in der Modebranche an allen Ecken und Enden gespart wird.

„Bis das ganze Messsystem fertig ist, wird es sicher noch etwas dauern“, sagt Zagar, „ aber wenn ich an meine anfängliche Skepsis zu dem Thema denke und mir anschaue, was wir inzwischen bereits erreicht haben, bin ich zuversichtlich, dass wir zu einem verwertbaren Ergebnis kommen, das für die Modeindustrie wirklich einen wichtigen Schritt darstellt.“

Bericht im Standard

Mechatronik-Infotag: 450 flugbegeisterte SchülerInnen

21.12.2016 „Vom Fliegen und von Flugzeugen“ – so lautete das Motto des heurigen Mechatronik-Infotages, der am 15. Labor.jpgDezember 450 SchülerInnen aus Oberösterreich und Salzburg in den Science Park lockte. Vom Wesen der Aerodynamik bis zum Leichtbau als Fundament der Flugzeugtechnik spannten sich die Themen.

Ganz dem Credo des Fachbereichs Mechatronik entsprechend – auf solidem Prozessverständnis aufbauend fortschrittliche mechatronische Systeme entwickeln – stellte zunächst Prof. Philipp Gittler die Aerodynamik in ihrer bemerkenswerten historischen Entwicklung, ihren grundlegenden Prinzipien und ihrer eleganten Umsetzung bei modernen Flugzeugen vor. Als begeisterter Flieger mit Berufspilotenlizenz und wissenschaftlich bestens ausgewiesener Aerodynamiker vermochte er die jungen Zuhörerinnen und Zuhörer und ihre BegleiterInnen in den Bann dieses spannenden Gebietes zu ziehen.

Von den Irrungen eines Isaac Newton bei aerodynamischen Fragen, dem ersten fliegenden Menschen Otto Lilienthal oder den der Gittler.jpgNatur abgeschauten Ausprägungen moderner Tragflügel - seine eigene Faszination für das Fachgebiet übertrug sich auf alle Gäste.

Leichtbau ist ein wesentliches Fundament der Flugzeugtechnik. Prof. Martin Schagerl vertritt den Leichtbau an der JKU und hat sich zuvor bei Airbus mit der Berechnung von Flugzeug-Leichtbaukonstruktionen befasst. Er hat in seinem Vortrag in ständiger Interaktion mit den SchülerInnen die grundlegenden Festigkeitsfragen, die hohen Sicherheitsstandards, die Vielfalt der heute eingesetzten Werkstoffe, die besonderen Herausforderungen der modernen Faserverbundwerkstoffe und der automatischen Fehlererkennung mit mechatronischen Methoden sehr eingängig und kurzweilig erklärt.

In den anschließenden Laborführungen wurden ganz unterschiedliche technische Fragen aus dem breiten Tätigkeitsspektrum der Linzer Mechatronik angesprochen. Beispiele mit Flugzeugtechnik-Bezug: Versagensformen von Leichtbaukomponenten, Flugzeughydraulik, Mensch-Roboter Interaktion, aktive Schwingungsunterdrückung.

Der Mechatronik-Infotag wurde, wie auch in den beiden Jahren zuvor, sehr begeistert von den SchülerInnen und Begleitpersonen aufgenommen. Es gab großes Lob für die beiden Vortragenden und für die Foyer.jpgLaborführungen. Viele Begleitpersonen haben ihre Teilnahme bereits für das nächste Jahr zugesagt.

„Die Mittelschicht zeigt Bauch“

(28.11.2016) Darjeeling mag Teetrinkern ein Begriff sein, Kalkutta erlangte nicht zuletzt durch Mutter Teresa Bekanntheit. Beides liegt im ostindischen Bundesstaat Westbengalen, den o.Univ.Prof. Dr. Rudolf Scheidl für eine Gastvorlesung am Indian Institute of Technology Kharagpur besuchte. Seine Eindrücke von Universität, Land und Leuten schildert er im folgenden Interview.

„Herr Prof. Scheidl, Sie waren Mitte November für eineinhalb Wochen in Westbengalen und haben am Indian Institute of Technology Kharagpur eine Gastvorlesung gehalten. Wie ist es zu dieser Einladung gekommen?“

Prof. Scheidl: „Eingeladen wurde ich von Prof. Rathindranath Maiti vom Mechanical Engineering Department. Wir kennen uns von einigen 2016-11-28 Indien Scheidl 5.jpgHydraulik-Konferenzen und er hat mich 2014 für einige Tage in Linz besucht. Ich hielt eine Vorlesung zum Thema ‚Digital Fluid Power‘ und im Rahmen der IEEE Guest Lecture Series einen Vortrag zum Thema ‚Sensors and Actuators for Smart Systems‘. Dieser Vortrag wurde als Massive Open Online Course angeboten, was bei uns noch eher unüblich ist. Er ist online verfügbar.“

„Wie war Ihr Eindruck vom IIT Kharagpur?“

Scheidl: „Das IIT Kharagpur ist das älteste und größte IIT und hat derzeit etwa 10.000 Studierende. Es wurde 1953 gegründet und auf einem 80 Hektar großen Gelände gebaut, wo unter britischer Kolonialherrschaft ein Camp für politisch unliebsame Inder und im Zweiten Weltkrieg eine Luftwaffenbasis der US Air Force stationiert war. Es gibt am Campus eine eigene Polizei, die den Zutritt regelt. Zahlreiche Gebäude und auch der Zutritt zu gewissen Bereichen wie dem akademischen Teil mit den Departments sind bewacht. Ganz allgemein war für mich in öffentlichen Bereichen wie den Flughäfen eine gewisse Angst vor Terrorismus spürbar. Die Studierenden müssen auf dem Campus wohnen, die Unterkünfte sind aber sehr einfach gehalten und ich würde meinen, dass dort ein europäischer Student eher nicht würde unterkommen wollen. Dafür gibt es am IIT Kharagpur auch viele Sporteinrichtungen für Fußball, Cricket, Schwimmen.“

„Wie ist die Qualität des IIT Kharagpur einzuschätzen?“
Scheidl: „Die IITs sehen sich als Eliteinstitute Indiens. Es gibt eine sehr strenge Auswahl bei den Studierenden, nur etwa zehn Prozent werden aufgenommen. Ausbildung, Forschungsausrichtung und Organisation sind an englischer Tradition ausgerichtet. Die Bezeichnung ‚Institute of Technology‘ wird aber recht inflationär verwendet, etwa auch für Colleges mit Undergraduate-Ausbildung. In den letzten zehn Jahren wurden über 60 solcher Institute in Indien gegründet. Die Studenten, die an meiner Vorlesung teilnahmen – durchweg junge Männer, obwohl am Campus auch viele Studentinnen unterwegs waren – machten einen durchaus frischen und begabten Eindruck auf mich, sie sind auch sehr an Technologie interessiert, insbesondere an spektakulären Neuigkeiten, wie mobile Roboter oder Exoskeletons. Ich kann aber schwer beurteilen, wie gut ihre Ausbildung im Vergleich zu mitteleuropäischen Ingenieuren ist, weil ich selbst keine Prüfungen abgenommen habe.“

„Wie ist denn das IIT Kharagpur technisch ausgestattet?“

Scheidl: „Der Standard der Labors ist sehr unterschiedlich. Die meisten sind schon sehr veraltet, manche einigermaßen in Schuss. Die Labors dienen hauptsächlich der Ausbildung – inklusive PhDs.“

„Gibt es Kooperationen mit Unternehmen?“
Scheidl: „Die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft ist verglichen mit deutschen oder österreichischen TUs oder dem Fachbereich Mechatronik viel geringer.“

„Sie waren ja bereits Ende der achtziger Jahre zweimal in Westbengalen. Wie, würden Sie sagen, hat sich das Leben dort inzwischen verändert?“

Scheidl: „Das Leben ist am Land und in den kleineren Orten immer noch sehr bescheiden, mit einfachen Häusern oder eher Hütten. 2016-11-28 Indien Scheidl 3.jpgOrdnung und Sauberkeit sind aus Sicht eines Europäers sehr mangelhaft. Im Vergleich zu damals sind mir aber viele PKW und Motorräder (meist Scooter) moderner und zeitgenössischer Produktion aufgefallen.

In Kalkutta gibt es natürlich heute schon viele moderne große Bauten – Hotels und Firmenzentralen etwa. Dazwischen eingezwängt aber immer noch Hütten als Verkaufsbuden, Reparaturwerkstätten, Wohnraum, wenn auch weniger als vor 30 Jahren.

Mein Gesamteindruck ist, dass sich in den letzten Jahrzehnten eine durchaus selbstbewusste Mittelschicht gebildet hat. Autos – auch aus eigener Produktion – und Mobiltelefone gibt es zuhauf. In den Großstädten sind Hochhäuser gewachsen. Daneben gibt es aber nach wie vor das Leben der Armen mit einfachen Häusern oder Hütten, in äußerst bescheidener Kleidung. Ein statistisch gesehen signifikantes Wohlstandszeichen ist offenbar auch die Statur: Arbeiter und Bauern sind meist spindeldürr und sehnig, die Mittelschicht zeigt Bauch.“

Foto oben: Prof. Scheidl mit Debanshu Roy, dem PhD-Studenten, der ihn in Indien betreut hat.

Foto unten: Markt im IIT ganz in der Nähe vom „Technology Guesthouse“, wo Prof. Scheidl untergebracht war. Prof. Scheidl: „Die vielen Personen stellen sich vor der Bank an; die indische Regierung hat die 1.000 und 500 Rupienscheine für ungültig erklärt und zahlt derzeit nur 2.000- Rupien (ca. 30 €) pro Tag an Privatpersonen aus. Das reicht fürs Leben, nicht aber für sonstige Geschäfte. – Ein Riesenthema in Indien, das schwächt die Wirtschaft enorm, weil viele Dinge nicht mehr stattfinden können, z.B. auch Transport, weil die Fahrer nicht genug Geld für Zölle, Treibstoff bezahlen können und ihre LKWs dann oft einfach stehen lassen.“

Best Paper Award für DI Christoph Gradl

(9.11.2016) DI Christoph Gradl vom Institut für höhere Maschinenlehre und hydraulische Antriebstechnik wurde beim „9th FPNI 2016-11-09 Gradl.jpgPhD Symposium on Fluid Power“ in Florianopolis, Brasilien, mit dem Best Paper Award und der Wolfgang Baké Medaille ausgezeichnet.

Titel des prämierten Papers ist „A combined hydrostatic hydrodynamic bearing based on elastic deformation“. Institutsleiter Univ.-Prof. Dr. Rudolf Scheidl war Mitautor.